Login

R 1a: Handlungsorientierung als Lernkonzept in FCCHP

Bildungsprozesse haben zu allen Zeiten lerntheoretische Begründungen gefunden, die in der Regel auch jeweils dem "Zeitgeist" gerecht wurden bzw. werden. In der Didaktik der beruflichen Bildung kann die Unterschiedlichkeit des Lernens anhand von zwei Extrempositionen skizziert werden.

Bei der Fachorientierung, die aus der 1. Hälfte des vergangenen Jahrhunderts kommt und beim Lernen noch heute anzutreffen ist, stehen die Inhalte und ihre Vermittlung in Form von klein gefassten und wohl geordneten Wissenselementen im Vordergrund. Kleinschrittig, klar und eindeutig auf ein fachliches Thema bezogen werden diese Inhalte durch Lehrer/Ausbilder vorgetragen. Der Kurs, der Lehrgang, das Fach sind die bekanntesten Umsetzungen dieser didaktischen Grundform. Ihre Begründung findet eine solche Didaktik in der behavioristischen Lerntheorie und ihren kognitiven Erweiterungen. Das Lehrhandeln besteht darin, die Lernenden durch Stimuli zum Lernen zu zwingen (Lernen "steuern").

Es ist unstrittig, dass die Fach- bzw. Lehrgangsorientierung allein den veränderten Anforderungen in Wirtschaft und Gesellschaft nicht mehr entsprechen kann. Sie ist weitestgehend zu ersetzen oder zu kombinieren.

Mit der Projektorientierung wird ein didaktischer Schritt in die diametral andere Richtung getan. Damit werden technisch-funktionale Grenzen der fachlichen Ausrichtung überschritten; nicht nur thematisch werden angrenzende Sachverhalte in die Ausbildung eines Berufes einbezogen, es kommt bei der Projektorientierung vor allem auch zu neuen Rollen für Lehrkräfte und Auszubildende: Letztere bestimmen über das Projekt und die Form seiner Bearbeitung mit.

Zur lerntheoretischen Begründung dieser didaktischen Ausrichtung wird auf den Konstruktivismus verwiesen: Der Lernende wird als sich selbst steuernder, selbst organisierender Konstrukteur von Wissen und Können betrachtet. Das Lehrhandeln besteht demgemäß darin "Lernwelten zu modellieren".

Geschichtlich betrachtet ist in Deutschland und zunehmend für Europa mit der Handlungsorientierung eine Entwicklung eingetreten, nach der Lernprozesse dem Konstruktivismus verpflichtet sind. Es gilt, Angebote weg von fremdbestimmter Wissensvermittlung und hin zu selbst organisierter Kompetenzaneignung lernförderlich zu gestalten.

Zur Verdeutlichung des Konzepts finden Sie hier den Film "Handlungslernen in der Praxis"